„The Wrestler“ – Filmkritik

Handlung

Der gealterte Wrestler Randy „The Ram“ Robinson hat die Blütezeit seiner Karriere schon lange hinter sich gelassen. Inzwischen verdient sich das einstige Idol des Wrestlings sein Geld mit gelegentlichen Schaukämpfen, wobei Randy seinen kaputten Körper nur noch mit Hilfe von Stereoiden und Schmerzmitteln aufrecht erhält.

Nach einem dieser Kämpfe erleidet Randy einen Herzinfarkt. Auf Anraten der Ärzte kehrt er seinem Sport den Rücken zu und versucht ein neues, geordnetes Leben zu beginnen. Er nimmt Kontakt zu seiner Tochter Stephanie auf, welche er in ihrer Kindheit verlassen hatte. Neben seinem neuen Job hinter der Fleischtheke intensiviert sich Randys Verhältnis zu der Stripperin Cassidy, die ebenfalls mit dem Älterwerden zu kämpfen hat.

Doch in nur einer Nacht wird die Hoffnung nach einem geordneten Leben zerstört. Die Beziehung zu Cassidy entwickelt sich nicht nach Randys Vorstellungen und er verfällt in alte Verhaltensweisen. Mit Drogen und Alkohol vollgepumpt verschläft er ein Treffen mit Stephanie, welche sich daraufhin endgültig von ihm abwendet. Desillusioniert tritt Randy zu einem letzten Kampf an, der ihn das Leben kosten könnte.

Meinung

Wer hinter dem Titel einen Catcher- und Actionfilm erwartet, wird enttäuscht werden. Wer hingegen eine einfühlsame Studie über das Älterwerden und die Suche nach dem Sinn des Lebens anschauen möchte, ist bei Darren Aronofskys The Wrestler an der richtigen Adresse.

Der junge Regisseur und Drehbuchautor fiel bereits mit seinen ersten Produktionen in der Filmwelt auf. Mit den Experimentalfilmen Pi und Requiem for a dream gewann Aronofsky unter anderem den Regiepreis des Sundance-Festivals 1998 und eine Oscar Nominierung im Jahr 2001. Nach seiner ersten Großproduktion The Fountain mit Hugh Jackman und Rachel Weisz, zeigt Aronofsky in The Wrestler eine vollkommen andere Seite von sich. Er verzichtet auf jegliche kunstvolle Gestaltung und präsentiert dem Zuschauer eine fast schon dokumentarisch anmutende Geschichte über einen ausgebrannten Wrestler.

Wertungsfrei fängt der Regisseur mit einer Handkamera, welche den Eindruck einer Dokumentation noch verstärkt, das Leben und Leiden seiner Charaktere ein. Er verurteilt nicht ihr Handeln, sondern steht beobachtend hinter ihnen.

Es spricht für den Film, dass die Situation von Randy, wie auch von seiner Fast-Freundin Cassidy sich nicht zum positiven wendet. Bis auf einen kleinen Aufschwung in der Mitte der Handlung entwickelt sich Randys Leben stetig abwärts. Keine falschen Illusionen über ein plötzliches Happy End, sondern das Leben wie es für viele Menschen tatsächlich ist. Ebenso lässt das Ende von The Wrestler keinen Raum für positive Gedanken. Auch dem letzten Zuschauer wird deutlich, dass dies wahrscheinlich Randys letzter Kampf sein wird und er danach in sein altes, trübes Leben zurückkehren wird. Wenn überhaupt… .

Die Wrestler, welche in dem Film zu sehen sind, kommen alle tatsächlich aus diesem Showsport, was die Authentizität der Kämpfe steigert.

Die Rolle des Randy spielt Mickey Rourke, welcher diese dermaßen authentisch charakterisiert das man denken könnte, er würde sich selbst darstellen. Tatsächlich bestehen parallelen zu Rourkes eigenem Leben. Vom großen Star zum kaum mehr beachteten, alternden Künstler. Ausgelaugt und ohne Perspektiven hofft er auf eine letzte Chance, noch einmal im Rampenlicht zu stehen. Im Fall von Mickey Rourke hat er diese Chance mit The Wrestler bekommen.

Zu Recht gewann Rourke für seine Rolle den Golden Globe und den britischen BAFTA Award als bester Hauptdarsteller. Tatsächlich gewann The Wrestler 29 internationale Filmpreise, darunter einen weiteren Golden Globe für den Titelsong The Wrestler von Bruce Springsteen, und wurde für zwei Oscars in der Kategorie bester Hauptdarsteller und beste Nebendarstellerin nominiert.

Um auf das Engagement Aronofskys noch einen drauf zu geben, ließ er eigens für den Film das NES-Spiel „Wrestle Jam“, das Randy mit dem Nachbarsjungen spielt, entwickeln, welches in der Realität nie erschienen ist.

Zugegeben, in vielen Szenen zeigt der Film schonungslos die Realität. Während der brutalen Kämpfe oder wenn Randy sich danach seinen zerschundenen Körper wieder zusammenflickt, könnte so manch zartbesaiteter Zuschauer angewidert den Blick abwenden. Doch eben dieser ungeschönte Darstellung des Lebens macht den Reiz dieses bemerkenswerten Werkes aus. Endlich mal kein mediales Lügenmärchen über eine heile Welt. Dafür kann man Aronofsky nur danken.


Randy Robinson:
Mickey Rourke
Cassidy: Marisa Tomei
Stephanie: Evan Rachel Wood

Regie: Darren Aronofsky | USA, 2008

Länge: 105 min | FSK: ab 16 | Buch: Robert D. Siegel | Kamera: Maryse Alberti | Szenenbild: Timothy Grimes | Schnitt: Andrew Weisblum | Musik: Clint Mansell | Produktion: Daren Aronofsky, Scott Franklin, Eric Watson

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