„Was übrig bleibt – Ein Damenroman“ von Sigrid Combüchen – Rezension

Schweden, Anfang des 21. Jahrhunderts: Die Autorin Sigrid Combüchen erhält einen Leserbrief aus Spanien. Der Name der Absenderin ist Hedwig Langmark. Diese meint sich und ihre Familie in einem Roman der Autorin wiedererkannt zu haben. Combüchen gibt vor in dem Haus der Familie zu wohnen, um mehr über Hedwigs Geschichte zu erfahren. So entwickelt sich zwischen den beiden Frauen ein reger Briefwechsel.

Hedwig, kurz Hedda, erzählt von ihrem Leben als junge Frau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der Frauen zwar schon Abitur machten, aber nur um kurz darauf zu heiraten und Kinder zu bekommen. Kurz, in altbekannte weibliche Rollenmuster zu verfallen. Nicht so die junge Hedda. Diese hat andere Pläne für ihr Leben. Sie will Schauspielerin werden und studieren.

In Stockholm hat Hedda die Möglichkeit sich fernab ihrer Familie frei zu entfalten und ihre eigene Rolle in der Gesellschaft zu finden.

„Das Schreiben macht mich qualvoll glücklich.“

Die in Deutschland geborene Schriftstellerin Sigrid Combüchen (68) lebt seit ihrem siebten Lebensjahr in Schweden. Mit 17 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman Eine stubenreine Gesellschaft. 1988 schaffte Combüchen mit dem biographischen Roman Byron den Durchbruch. Inzwischen wurde sie mit zahlreichen Preisen für ihre Werke ausgezeichnet. Darunter den renommierten, schwedischen „August Preis“ in der Sparte Belletristik. Combüchen gilt als eine der wichtigsten, schwedischen Autoren.

Anspruchsvolle Lektüre für wache Leser

Eines ist Was übrig bleibt ganz sicher nicht. Nämlich ein seichter Roman den man verschlafen in einer Strandliege lesen kann ohne auch nur eine Hirnzelle anstrengen zu müssen. Ob das nun positiv ist oder nicht, dieses Urteil muss jeder Leser natürlich für sich treffen.

„… zumal sie mich mit einer leicht boshaften Formulierung, die ich schon ziemlich häufig gehört habe, daran erinnern wollte, dass ich es den Lesern absichtlich schwer mache. Womit lässt sich dieser Eindruck begründen? Was denken die Leute sich eigentlich? Man kann nicht immer auf ausgetretenen Pfaden dorthin gelangen, wohin man will.“ (Seite 18)

Sigrid Combüchen hat, wie ihre fiktive Namensvetterin in dem Roman, keinen Anspruch es dem Leser leicht zu machen. Die Zeitsprünge in der Geschichte sind zum Teil zwar verwirrend, doch hier könnte sich der Leser noch einfinden. Die Geschichte findet auf drei Ebenen statt: Die Gegenwart, mit dem Briefwechsel der beiden Frauen. Die Vergangenheit Heddas und die Rechercheergebnisse der fiktiven Combüchen.

Combüchen greift Themen auf, welche nicht nur Anfang des letzten Jahrhunderts aktuell waren. Sie spricht über die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Ihre Möglichkeiten oder besser gesagt, ihre Nicht-Möglichkeiten zur freien Entwicklung. Rollenmuster innerhalb einer Familie werden dem Leser so offenbart, dass es nicht den kleinsten Schlupfwinkel für Privatsphäre mehr gibt. Auch Heddas Charakter, ihre Ängste und Hoffnungen werden dem Leser greifbar vermittelt.
Doch hat die Geschichte keine ausschlagenden Höhen oder Tiefen. Sie plätschert vor sich hin, entwickelt sich, löst aber kein Herzklopfen oder banges Mitfiebern aus. Vielleicht war das auch nicht die Intention der Autorin. Für einige Leser wird dies und die ausschweifenden Erläuterungen jedoch als Mangel empfunden werden.

Fazit

Um ganz ehrlich zu sein, es gab in meinem Leben nur sehr wenig Bücher, durch welche ich mich so durchkämpfen musste wie durch Was übrig bleibt. Das Thema ist interessant. Eine junge Frau versucht den gesellschaftlichen Zwängen ihres Zeitalters zu entfliehen. Crombüchen schildert schmerzlos auch noch so kleine Details aus dem Privatleben ihrer Protagonistin, was ich als sehr gelungen empfinde.
`Damenroman` ist für mich in dem Punkt zutreffend, dass mich der gesamte Schreibstil an eine Unterhaltung bei einem Kaffeklatsch von vornehmen Damen aus dem 18./19. Jahrhunderst erinnert hat.
Was übrig bleibt ist bei weitem kein Roman für das Massenpublikum. Wer aber z.B. Theodor Fontane zu seinen Lieblingsschriftstellern zählt, für diejenigen sei der Damenroman von Sigrid Combüchen unbedingt zu empfehlen.

Hardcover: “Was übrig bleibt – Ein Damenroman”
Autor: Sigrid Combüchen
Seiten: 494
Verlag: Antje Kunstmann Verlag

Weiterführende Literatur
Byron. Roman, Stuttgart, Klett-Cotta, 1991

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