„Brassed Off“ – Filmkritik

Handlung

Zu Beginn der 90er Jahre steht das kleine Städtchen Grimley vor dem sozialen Ruin. Dem Kohlebau droht die Schließung und somit über tausend Menschen die Arbeitslosigkeit. Inmitten der Verhandlungen, Streiks und desillusionierten Familien probt die Männerblaskapelle unter der Leitung des engagierten Danny für die Meisterschaft in London. Doch aufgrund der wirtschaftlichen Situation sind die Meisten nicht mehr überzeugt von dem Fortbestand der Band. Als die junge Gloria zurück in die Kleinstadt kommt und sich der Kapelle anschließt, erfährt diese einen Aufschwung. Zudem entflammt zwischen dem Posaunist Andy und Gloria erneut eine alte Liebe. Aber schon bald müssen sie feststellen, dass die Musik nicht die Kraft hat die Realität zum Besseren zu verändern. Trotz ihres Einzuges in das Finale scheint aller Leben in einen Abgrund zu stürzen. Das Bergwerk wird geschlossen, Danny kommt sterbenskrank ins Krankenhaus und sein Sohn sieht als letzten Ausweg aus seiner misslichen Lebenslage den Freitod. Die „Grimley Colliery Band“ steht vor dem Aus.

Aufgrund ihrer Arbeitstelle als Statistikerin für das Management, welches die Zeche schließen ließ, wird Gloria aus der Band verstoßen. Doch sie gibt nicht auf und kämpft nicht nur für den Fortbestand der Arbeitsplätze, sondern auch dafür, die Kapelle wieder zusammen und nach London in die „Royal Albert Hall“ zum Finale zu bringen.

Meinung

Vom Erzählstil erinnert Brassed off an weitere englische Produktionen wie Ganz oder gar nicht oder Sterben für Anfänger. Dem Drehbuchautor und Regisseur Mark Herman ist es gelungen einen Film zu kreieren, welcher zu gleichen Teilen komödiantisch wie auch dramatisch ist.

Geplant hatte Herman einen Film über den Zerfall einer Zeche bereits seit 1984, fand jedoch erst Jahre später in einem Zeitungsartikel über eine kleine Blaskapelle den übergeordneten Handlungsstrang. Das Thema war Mitte der 90er Jahre in Großbritannien hochaktuell, weswegen der Film bei seiner Premiere als politisch Brisant bezeichnet worden ist.

Die Charaktere werden überzeugend dargestellt. Ewan McGregor wirkt in dieser frühen Rolle als Andy jungenhaft und fast schon verletzlich. Die Welt hat nicht viel gutes für Andy bereit gehalten, weswegen er sich nur vorsichtig auf eine Liebesbeziehung mit Gloria einlässt. Dieser Konflikt zwischen seinen Gefühlen und Erfahrungen wird noch von der glänzenden Kameraführung unterstützt. Viele Groß- und Nahaufnahmen von den Gesichtern der Figuren zieht den Zuschauer mit in das Auf und Ab der Emotionen. Besonders hervorgehoben hat sich Pete Postlethwaites in seiner Rolle als Danny, welcher sein ganzes Leben der Blaskapelle verschrieben hat.

Man könnte sein Sterben im letzten Drittel des Filmes schon fast symbolisch für den Untergang der Blaskapelle sehen.

Zudem sollte man ein großes Lob über die Inszenierung der Musik, der Kapelle aussprechen. Blasmusik gilt weithin als veraltet und spricht besonders die jüngere Generation nicht mehr an. Schon bei Glorias Einstand mit Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ wird der Zuschauer in den Bann der Musik gezogen. Spätesten beim Finale mit Rossinis „Wilhelm Tell Ouverture“ wird auch dem letzten Zweifler von Blasmusik eine Gänsehaut über den Körper laufen.

Sicher kann man am Ende des Filmes nicht von einem Happy End sprechen, was seinem Charme jedoch nicht abträglich ist. Vielmehr fast die Schlussszene die Grundstimmung der Geschichte zusammen. Denn als die Band nach ihrem Sieg in der Royal-Albert-Hall auf einem Doppeldecker durch das nächtliche London fährt und ein Stück aus dem „Pomp and Circumsdance Marches“ bläst wird deutlich, dass der Sieg weder die sozialen noch die gesundheitlichen Probleme gelöst hat. Vielmehr geht es darum niemals aufzugeben und mit erhobenem Kopf nach vorne zu schauen!

Anrührende Metapher über Solidarität, Liebe und Gemeinschaft.

Danny: Pete Postlethwaite
Gloria: Tara Fitzgerald

Andy: Ewan McGregor

Regie: Mark Herman | Großbritannien, USA, 1996

Länge: 107 min | FSK: ab 12 | Buch: Mark Herman | Kamera: Andy Collins | Szenenbild: Felicity Joll | Schnitt: Michael Ellis | Musik: John Anderson | Produktion: Steve Abbott

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