„Das Fieber steigt in El Pao“ – Filmkritik

Handlung

Auf der karibischen Insel Ojeda herrscht ein strenges Regime. Der ursprüngliche Befreier Barreiro hat sich selber in einen Diktator verwandelt und regiert die Gefängnisinsel vom Festland aus mit strenger Hand. Die Menschen leiden Hunger und die Sträflinge, ob politische Opponente oder Verdächtige, müssen harte Arbeit verrichten, welche meist zum Tod führt. Nach dem tödlichen Attentat auf den Gouverneur Vargas übernimmt dessen Sekretär Ramón Vázquez als Übergangsregent das Regime. Schon vor dem Tod seines Vorgesetzten hat der Jurist Vázquez versucht, mit subtilen Mitteln den Unterdrückten zu helfen. Er verliebt sich in die Witwe Inés Vargas und bemüht sich zusammen mit ihr, humanere Lebens- und Arbeitsbedingungen auf der Insel zu schaffen. Der neue Gouverneur Alejandro Gual droht alle Ziele Ramóns und Inés zu zerstören und so arbeiten sie einen Plan aus, um ihn von seiner Position zu stürzen. Doch schon bald muss Ramón feststellen, wie schnell man in die Intrigen der Politik verwickelt ist.

Nach einer Meuterei der Häftlinge erreicht Ramón zwar sein Ziel und bekommt das Amt des Gouverneurs, jedoch hat er seine Ideale verraten und arbeitet nun selber mit dem ihm verhassten System zusammen.
Meinung

Meinung

Das Fieber steigt in El Pao oder auch Für ihn verkauf´ ich mich erzählt viel mehr als nur eine Liebesgeschichte in Zeiten politischer Unruhen. Es ist ein Film über Ideale, eine Parabel über den Opportunismus in dieser Welt. Dieses Werk gehört zu den weniger bekannten Filmen des gefeierten spanischen Regisseurs Luis Buñuel. Bereits seine erste Arbeit Ein andalusischer Hund aus dem Jahr 1929 wurde zu einem Kinoerfolg. Sie entstand in Kooperation mit dem Künstler Salvador Dalí und verdeutlicht Buñuels Neigung zum Surrealismus, der Welt zwischen Traum und Wirklichkeit. Während seiner Jahrzehnte langen Filmarbeit setzte Buñuel sich sowohl kritisch mit dem Christentum und der Bourgeoisie, wie in Das goldene Zeitalter, als auch mit brisanten politischen Themen auseinander.

Das Drehbuch zu Das Fieber steigt in El Pao entstand nach dem gleichnamigen Roman von Henry Castillou aus dem Jahr 1955. Diese letzte französisch-mexikanische Koproduktion Buñuels scheint auf seinen eigenen politischen Enthusiasmus zurückzuführen zu sein. Die Ablehnung jeder erdenklichen Art von Tyrannei wird von dem Protagonisten Ramón Vázquez wiedergespiegelt. Das Regime der imaginären Insel Ojeda weist deutliche Parallelen zu den Machenschaften auf Kuba auf, wo Battistas Herrschaft durch den Kommunisten Fidel Castro abgelöst wurde. Jedoch liegt der 1959 gedrehte Film zu nahe am Zeitgeschehen, als dass dies von Buñuel beabsichtigt gewesen sein könnte.

Dieser eher untypische, fast schon dokumentarisch anmutende Buñuel-Film brilliert vor allem durch die Leistungen der beiden Protagonisten Gérard Philipe und María Félix, wobei ersterer in der Rolle des Ramón gegen Ende der Handlung deutlich an Ausstrahlung verliert. Das mag an der Tatsache liegen, dass Philipe zum diesem Zeitpunkt bereits an Leberkrebs erkrankt war und nur wenige Monate nach Beendigung der Dreharbeiten starb. Der eigent-liche Fokus liegt auf der Akteurin Félix, die als starke Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft agiert. Félix galt als weibliche Galeonsfigur des lateinamerikanischen Kinos, welche durchaus als ebenbürtig mit großen Schauspielerinnen wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich anzusehen ist. Zum Anderen wird die Produktion durch die hervorragende Kameraarbeit von Gabriel Figueroa getragen, welcher bereits in „Los Olvidados“ mit Buñuel zusammenarbeitete. Erst durch seine Aufnahmen wird die bedrückende Atmosphäre in den schwarz-weiß Bildern für den Zuschauer spürbar und lässt María Félix im Licht einer „Grand Diva“ erscheinen. Das Fieber steigt in El Pao ist ein spannender Politthriller der in der Reihe der Buñuel-Filme nicht verloren gehen sollte.

Sehenswerter Buñuel.

Carlos Barreiro: Andrés Soler
Mariano Vargas: Miguel Ángel Ferriz
Ramón Vázquez: Gérard Philipe

Inés Vargas: María Félix
Alejandro Gual: Jean Servais

Regie:
Luis Buñuel | Frankreich, Mexiko, 1959

Länge:
95 min | FSK: ab 16 | Buch: Luis Buñuel, Luis Alcoriza | Kamera: Gabriel Figueroa | Szenenbild: Jean-Louis Buñuel | Schnitt: James Cuenet, Rafael López Ceballos | Musik: Paul Misraki | Produktion: Raymond Borderie, Óscar Dancigers

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