„Tyson“ – Filmkritik

Handlung

Mike „Iron“ Tyson ist einer der berühmtesten Schwergewichtsboxer der Welt. In der Dokumentation von James Toback wird ein bisher unbekannter Blick auf den mehrfachen Boxchampion freigegeben. Mike spricht offen über seine schwere Kindheit in Brooklyn, die Verbrechen, welche er dort beging, Aufstieg und Fall seiner Boxerkarriere wie auch über Frauen, Sex und Familie. Parallel zu den überraschend emotionsreichen Interviews wird dem Zuschauer Mikes Lebensweg anhand von zahlreichen Medienberichten vor Augen geführt.

Meinung


Dem „Bad Guy“ der amerikanischen Kinos, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor James Toback, ist ein einfühlsames Psychogramm über einen anscheinend zutiefst missverstandenen Sportler gelungen. Toback selbst ist bekannt für seine kontroversen Filme über Drogenexzesse, Sex und Gewalt. Für ihn ist die Künstlichkeit der Tod des realistischen Films, weswegen seine Produktionen wie Black and White, Harvard Man oder Fingers fast schon eine brutale Ehrlichkeit an den Tag legen.

Mit eben dieser Offenheit avancierte  Tyson auf den Filmfestspielen in Cannes zu einem der meistbeachteten Produktionen des Jahres 2008.

Die biographische Dokumentation hält sich weitestgehend an einen chronologischen Ablauf von Tysons Leben. Nach der Einleitung durch die Einblendung des ersten, erfolgreichen Titelkampfes gegen Trevor sieht sich der Zuschauer einem fast schon schüchtern wirkendem Mike Tyson gegenüber sitzen. Der mehrfache Boxweltmeister erzählt mit ruhiger Stimme von seiner Kindheit in Brooklyn, dem Überlebenskampf auf der Straße und seinen Ängsten vor den Bandenkids.

In einer Mischung aus Splitscreeningtechnik und Talking Heads berichtet Tyson von seinem Leben. Musikhinterlegung ist in der Dokumentation kaum zu finden.

Toback lässt die Bilder der Interviews und das umfangreiche Archivmaterial über Tysons Kämpfe und Skandale für sich sprechen.

Ihm gelingt es den Zuschauer, durch gezielt eingesetzte Nah- und Großaufnahmen von Tysons Gesicht, in ein dichtes Netz aus Emotionen zu verstricken. Jedes Augenzwinkern, jeder Seitenblick und jedes Händeringen wird von der Kamera festgehalten.

Der Mann, welcher auf dem hellen Sofa sitzt und mit belegter Stimme und Tränen in den Augen von dem Tod seines Mentors Cus d´Amato spricht, hat nichts gemein mit dem Mike Tyson, der von den Medien als brutaler, vergewaltigender Drogensüchtiger verschrien wurde.

Während Tyson über den Abschied von seinem früheren Manager, den Exzessen mit Drogen und Frauen, sowie über seine ihm zu Kopf gestiegene Berühmtheit berichtet, werden aktuelle Aufnahmen von ihm eingeblendet. Man bekommt fast das Gefühl bei seiner ganz persönlichen Beichte dabei zu sein, ihn von weitem zu beobachten wie er am Strand steht und auf das Meer hinausschaut. Der ehemalige Boxer gibt zu, dass er für die Kameras eine Art Show abgezogen hätte und das er sich für sein Benehmen schämen würde.

„Ich bin zu früh alt und zu spät klug geworden.“

Auch für Laien des Boxsports ist diese Dokumentation empfehlenswert. Der Fokus liegt auf dem Menschen Mike Tyson und nicht dem Sportler „Iron Mike“. Diese Porträtstudie seiner Persönlichkeit ist glaubwürdig und keineswegs gekünstelt. Man hat während der Interviews keinen Zweifel daran, dass der Mann, welcher direkt in die Kamera schaut, tatsächlich sein Leben in den Griff bekommen möchte. Nach den jüngsten Ereignissen, dem tragischen Tod seiner kleinen Tochter und erneuten Prügelattacken gegen Reporter, ist es fragwürdig inwieweit Tyson sich an seine guten Vorsätze halten wird. Aber um mit seinen eigenen Worten zu schließen:

„Was ich getan habe ist Geschichte, was ich tun werde ein Geheimnis.“

Authentische Darstellung einer ambivalenten Persönlichkeit.

Mike Tyson: Mike Tyson

Regie: James Toback | USA, 2008

Länge: 86 min | FSK: ab 12 | Buch: James Toback | Kamera: Steve Fracol | Szenenbild: Larry McConkey | Schnitt: Aaron Yanes | Musik: Salaam Remi, Nas | Produktion: Damon Bingham/Harlan Werner, Green Room Films, Krossover Productions

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