„Frida“ – Filmkritik

Handlung

Bei einem verheerenden Busunfall im September 1925 in Mexiko, bohrt sich eine Eisenstange von hinten durch Frida Kahlos Rücken und tritt aus ihrer Vagina wieder aus. Die Folgen des Unfalls verändern ihr gesamtes Leben. Monatelang an ihr Bett gefesselt beginnt Frida zu malen und lernt so den berühmten Maler Diego Rivera kennen und lieben. Frida avanciert zu einer beachteten Malerin, die nicht nur durch ihre Kunst Aufmerksamkeit erregt. Ihr Einsatz für den Kommunismus, Bisexuelle Liebschaften, sowie die Scheidung und erneute Vermählung mit Diego Rivera sind nur einige Beispiele für ihren unkonventionellen Lebensstil.

Am Ende ihres Lebens ist Frida durch zahlreiche Operationen und starke Schmerzen körperlich gebrochen. Doch ihre Zeichnungen und Gemälde geben Zeugnis davon, dass Frida Kahlos Wille zum Leben bis zum Tag ihres Todes ungebrochen war.

Meinung

Frida Kahlo kann wohl zurecht als eine der bedeutensten Künstlerinnen der letzten 100 Jahre angesehen werden. Mit der Verfilmung von Frida Kahlos Leben setzt die Regisseurin Julie Taymor dieser bemerkenswerten Frau ein würdiges Denkmal.

Taymor, die ursprünglich als Theaterregisseurin tätig war und mit Frida ihre zweite große Filmproduktion realisierte, hat es sich zum Ziel gemacht den Zuschauer in die Welt der Künstlerin zu integrieren.

In Frida steht die Beziehung zu Diego Rivera im Vordergrund. Das Herausheben der Liebesgeschichte, der Loyalität, Treue und Trennung begründet Taymor in einem Interview vor allem damit, dass sie beim Lesen der Tagebücher Fridas auf praktisch jeder Seite denselben Namen gelesen hat: Diego.

Formal betrachtet folgt der Film einer linearen Erzählform. Zwar beginnt die Geschichte mit deren Ende, als Frida in einem großen Bett zu ihrer Ausstellung getragen wird, geht aber sofort über in ihre Schulzeit. Die Kindheit bis zur Oberschule wurde nicht thematisiert, was dem Haupthandlungsstrang nicht abträglich ist.

Der Zuschauer begegnet einer vor Energie strotzenden jungen Frida Kahlo, die keinen Respekt vor einem Künstler wie Diego Rivera hat und sich nicht davor scheut mit ihrer Jugendliebe Alejandro Gómez Arias im Kleiderschrank des Hauses ihrer Eltern Sex zu haben.

Das sich Taymor ausgiebig mit Frida Kahlos Tagebüchern beschäftigt hat, wird auch in der Unfallsequenz deutlich. Frida erinnert sich nur noch schemenhaft an die Behandlung im Krankenhaus. Die Regisseurin setzt dies mit Computeranimation um und zeigt die Ärzte als lebende Skelette. Die Traumwelt versetzt den Zuschauer in Fridas Lage und erinnert an Werke aus dem Surrealismus und an die traditionellen mexikanischen Bräuche zum Allerheiligenfest am 1. und 2. November.

Der Akt des Malens spielt sowohl im Leben Fridas, wie auch in dem gleichnamigen Film eine gravierende Rolle.

Es wird versucht die Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Medium des Films soweit wie möglich zu verringern, um so eine Unmittelbarkeit zu der Protagonistin herzustellen. Hierbei bedient sich Taymor mehrerer Medien gleichzeitig, lässt sie ineinander überfließen und harmonisch miteinander wirken. Der Zuschauer soll nachvollziehen können, wie die Motive vor Fridas innerem Auge entstanden sind.

Nach dem Unfall beginnt Frida, aufgrund ihrer Bewegungsunfähigkeit, zu malen. Sie liegt in ihrem Bett und betrachtet sich in einem Spiegel, der über ihr befestigt worden ist. Dem Zuschauer wird suggeriert selber auf dem Bett zu liegen und hinaufzusehen.

Der Blick in den Spiegel und die zahlreichen, daraus resultierenden, Selbstporträts spielen in Fridas Leben eine wichtige Rolle. Anhand der Chronologie der Selbstbildnisse entwickelt sich die Filmstruktur. Sie bilden die eigentliche filmische Vorlage, wenn die normalerweise statischen Gemälde zu (Film-)Bildern werden.

Die vielen neuen Eindrücke in New York bewältigt die Regisseurin mit einer Art Collage aus verschiedenen Bildern, Fotos und Zeitungsausschnitten, durch welche Diego und Frida als reale Figuren wandern. Da der ganze Film in Mexiko gedreht wurde, musste sich Taymor etwas ausdenken, um New York und Paris in einem anderen Stil erscheinen zu lassen. Sie löst das Problem, indem sie New York im art deco und Paris im art nouveau-Stil darstellt.

Der Schluss des Films schließt den Kreis zum Anfang hin. Frida wird in ihrem Bett zu ihrer Einzelausstellung in der Galeria de Arte Contemporáneo in Mexiko City getragen. Die Kamera fängt mit einer langsamen Fahrt sämtliche Gemälde in der Galerie auf, welche zusammen eine Art von Lebens- und Werksübersicht Fridas darbieten.

Die letzte Szene schließt mit dem letzten Tagebucheintrag Frida Kahlos, womit eine Brücke zur Bezugsrealität geschlagen wird. Ihr Tagebuch hat sie ihr Leben lang begleitet. Hier finden sich auf jeder Seite Zeichnungen, Spiegel von Fridas Gedanken. So stellt Julie Taymor am Ende des Films mit dem letzten Eintrag auch einen der letzten Schaffensprozesse der Künstlerin dar.

Eine authentische, gut recherchierte Biographie einer interessanten Künstlerin des letzten Jahrhunderts. Salma Hayek scheint vollkommen mit der Person Frida Kahlo zu verschmelzen. Hinzu kommt eine fabelhafte Filmmusik von dem Komponisten Elliot Goldenthal, , für die er 2003 den Oscar erhielt. Die Liste der Nebenrollen liest sich wie ein Who´s Who bekannter Schauspieler: Antonio Banderas, Ashley Judd, Edward Norton oder Geoffrey Rush als Leo Trotzki.

Ein leidenschaftliches Leben – ein leidenschaftlicher Film.

Frida Kahlo: Salma Hayek
Diego Rivera: Alfred Molina
Alejandro Gómez Arias: Diego Lunas
David Alfaro Siqueiros: Antonio Banderas

Tina Modotti: Ashley Judd
Nelson Rockefeller: Edward Norton
Leo Trotzki: Geoffrey Rush

Regie: Julie Taymor | Mexiko, USA, Kanada, 2002

Länge: 118 min | FSK: ab 12 | Buch: Hayden Herrera, Clancy Sigal, Diane Lake, Gregory Nava, Anna Thomas | Kamera: Rodrigo Pietro | Szenenbild: Felipe Fernandez | Schnitt: Francoise Bonnot | Musik: Elliot Goldenthal | Produktion: Salma Hayek, Lindsay Flickinger, Sarah Green, Nancy Hardin, Jay Polstein, Roberto Sneider, Lizz Speed


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