„Angel Heart“ – Filmkritik

Handlung

Der ausgebrannte New Yorker Privatdetektiv Harry Angel bekommt einen Anruf von einem Anwalt, welcher ihm im Namen von Louis Cyphre, einem Geschäftsmann mit einer unheimlichen Ausstrahlung, einen Job anbieten möchte. Obwohl Harry Angel bisher ausschließlich kleinere Fälle wie Scheidungen oder Beschattungen übernommen hat, stimmt er zu sich auf die Suche nach einem gewissen Johnny Favorite zu machen. Der Schnulzensänger war 10 Jahren zuvor, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, aus einer Klinik verschwunden und seither nicht mehr gesehen worden.

Bereits nach kurzer Zeit wird Harry Angel klar das der traumatisierte Johnny Favorite nicht unter gewöhnlichen Umständen verschwunden ist. Die Befragung des inzwischen pensionierten und morphiumabhängigen behandelnden Arztes Favorites ergibt, dass Johnny von zwei Unbekannten abgeholt und der Arzt für sein Schweigen bezahlt worden war. Als Angel den Doktor ein weiteres Mal aufsucht, findet er diesen erschossen in seinem Bett auf. Die Berichterstattung gegenüber seinem mysteriösen Auftraggeber Louis Cyphre verläuft ebenso unheimlich wie das erste Treffen und Angel befallen immer größere Zweifel in Hinsicht seines Auftrages.

Die weiteren Spuren führen Angel nach Louisiana, das Land der Voodoo-Anbeter. Auch die junge, hübsche Epiphanie steckt tief im Sumpf des Okkulten, was Angel nicht davon abhält eine Nacht mit ihr zu verbringen. Schon bald muss er feststellen, dass alle Personen, welche von Angel im Zuge seiner Ermittlungen verhört wurden, kurz danach auf grausame Weise ermordet werden. Am Ende erfährt Harry Angel das schreckliche Geheimnis: er selber ist Favorite, der vor Jahren mit Hilfe eines Rituals die Identität Angels angenommen hatte, um einem faustischen Übereinkommen mit Luzifer zu entkommen.

Meinung

Alan Parker beweist ein weiteres Mal, wie wandelbar er als Regisseur in der Auswahl seiner Filme ist. Nach Midnight Express, dem Musical Fame und Birdy begibt er sich mit Angel Heart in ein völlig anderes Genre. Seine Produktionen sind Oscar nominiert und mehrfach ausgezeichnet worden und haben bis heute nicht an Beliebtheit eingebüßt. Das von Parker verfasste Drehbuch zu Angel Heart basiert auf dem Roman Falling Angel von William Hjortsberg. Im Gegensatz zum Film spielt die gesamte Geschichte in der literarischen Vorlage in New York. Da der Autor Hjortsberg auch mit dem Gedanken gespielt hatte, einen Teil der Geschichte in Louisiana anzusiedeln, war er mit den Änderungen einverstanden.

Angel Heart ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Thriller und Mystery. Von der ersten Szene an schafft es Alan Parker eine dunkle und spannende Stimmung aufzubauen. Er spielt mit den Farben und dem Licht der Szenen, um den Zuschauer visuell mit in Angels abstieg in die Abgründe zu involvieren. Je weiter Harry Angel in seinen Ermittlungen und somit der Hölle kommt, desto heißer wird es auch in seiner Umgebung. Deswegen war es Alan Parker auch wichtig einen Großteil der Handlung in Louisana spielen zu lassen.

Natürlich wurde mit Symboliken nicht gegeizt. Angefangen bei dem Namen des Auftraggebers Louis Cyphre – Luzifer, über zahlreiche Pentagramme, rückwärts rotierende Ventilatoren nach jedem Mord bis hin zu den Hunden, welche auf Harry nervös reagieren und angeblich einen sechsten Sinn für das Böse haben. Hinzu kommt der allgegenwärtige Okkultismus, welcher sich in Louisana von Szene zu Szene zuspitzt. Hühnerfüße, die Hand eines Toten und vor allem der Voodootanz, auf dessen Höhepunkt von Epiphanie ein Huhn geopfert wird.

Manchmal ist es aufgrund dieser Überhäufungen etwas vorhersehbar, worauf die Geschichte abzielt. Doch wer braucht bei diesem visuellen Hochgenuss schon eine schlüssigen Spannungsbogen? Zum Glück funktioniert der Film auch ohne dynamische Handlung.

Robert De Niro als Luzifer und Mickey Rourke als Privatdetektiv Harry Angel legen einen schauspielerischen Schlagabtausch hin, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Lisa Bonet überrascht in der Rolle der Epiphanie. Die Meisten werden sie aus der Serie Bill Cosby Show kennen. Ihrem sauberen Image steht nun die junge Voodoopriesterin entgegen, die es mit zwei Persönlichkeiten wie De Niro und Mickey Rourke durchaus aufnehmen kann. Selbst bei der gewagten Sexszene mit Rourke blieb die damals 19 jährige Bonet, laut Regisseur Parker, professionell und gelassen.

„Heute ist Mittwoch, An einem Mittwoch kann alles passieren.“ Ein Kommentar von Harry Angel, als er sich schon tief in den Fängen Luzifers befindet. Dies kann man wohl auch in Bezug auf Angel Heart sagen. In diesem Film kann alles passieren.

Harry Angel: Mickey Rourke
Herman Winesap: Dann Florek
Louis Cyphre: Robert De Niro

Dr. Albert Fowler: Michael Higgins
Epiphany Proudfoot: Lisa Bonet

Regie: Alan Parker | USA, Kanada, Großbritannien, 1987

Länge: 113 min | FSK: ab 16 | Buch: Alan Parker | Kamera: Michael Seresin | Szenenbild: Brian Morris | Schnitt: Gerry Hambling | Musik: Trevor Jones | Produktion: Mario Kassar, Elliott Kastner, Alan Marshall, Andrew G. Vajna


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