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Die qualitativ und quantitativ herausragende Mannheimer Spezialsammlung moderner Skulptur ist Ausgangspunkt für das interdisziplinäre Ausstellungs- und Wissenschaftsprojekt „Nur Skulptur!“, das vom 15. März bis zum 24. November 2013 in der Kunsthalle Mannheim präsentiert wird. Künstlerkurator Bogomir Ecker und drei internationale Bildhauerkollegen – Kiki Smith, Roman Signer und John Bock – interpretieren und inszenieren alle dreidimensionalen Werke der Kunsthalle aus zeitgenössischer Sicht.
Angestrebt sind frische bis freche Alternativen zu traditionellen Präsentationsformen. Statt Sockel und Vitrine wird der gesamte Mitzlaff-Bau − kurz vor seinem Abriss und der Neubauphase − zum künstlerischen Experimentierfeld für das Thema Skulptur im Museum.

Die Kulturstiftung des Bundes hat jetzt bekannt gegeben, das so komplexe wie innovative Mannheimer Skulpturenprojekt mit einem
hohen Fördermittelbetrag von 200.000 € zu unterstützen.


Skulptur im Museum

„Bis heute führt die Gattung Skulptur, ungeachtet ihrer Erfolgsgeschichte im öffentlichen Raum, eine vernachlässigte Existenz in der Institution, die sie bewahrt, präsentiert und vermittelt. Baudelaires Diktum gilt heute — im Zeitalter von Installation und Environment, Relativitäts- und Chaostheorie — eigentlich immer noch: ‚Skulptur ist etwas, worüber man stolpert, wenn man von einem Bild zurücktritt‘“, erläutert Museumsdirektorin Dr. Ulrike Lorenz. „Gegen diesen Zustand wollen wir als Museum mit einem herausragenden Sammlungsschwerpunkt Skulptur entschieden und intelligent angehen.“

Museum – Künstlerpraxis – Wissenschaft
Das Projekt „Nur Skulptur!“, mit der auf 2000 Quadratmetern geplanten Großausstellung inklusive reichem Vermittlungsprogramm, versteht sich als Testfall in der praktischen Vernetzung von Museum, Künstlerpraxis und universitärer Kunstwissenschaft. Spannende Fragen sind unter anderem: Wie können Künstler mit Wissenschaftlern im kuratorischen Alltag kurzgeschlossen werden? Wie denken Künstler, wie gehen sie vor,wie nähern sie sich ihren Vorbildern, Ahnen und historischen Gegenspielern aus der Perspektive von heute an? Wie kann wissenschaftliche Systematik in die assoziative Auseinandersetzung und Ausstellungsgestaltung der Künstler produktiv hineinwirken? Wie können zentrale Aspekte der künstlerischen Annäherung an Kunstgeschichte wissenschaftlich aufgegriffen werden?

„Nur Skulptur!“ in der Kunsthalle Mannheim
„Nur Skulptur!“ will die Möglichkeiten und Grenzen einer neuen, gleichermaßen historisch fundierten wie künstlerisch experimentellen Herangehensweise an die offenen Fragen der Präsentation und Wahrnehmung von Skulptur im Museum testen und zur Diskussionstellen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Planung des Neubaus der Kunsthalle Mannheim eingebracht werden.
Auf der einen Seite setzt sich künstlerisches Denken und Tun in Beziehung zum Potential und den konkreten Werken der Mannheimer
Skulpturensammlung. Auf einer zweiten Schiene wird in Kooperation mit universitärer Forschung und Lehre eine wissenschaftstheoretische Fundierung, Bearbeitung und Ausweitung des Themas angestrebt.

Hommage an Mitzlaff
Das Künstlerteam wird dabei die seltene Möglichkeit eines vorab initiierten „künstlerischen Rückbaus“ im zum Abriss bestimmten Mitzlaff- Bau nutzen, um zu differenzierten Raumsituationen und einer ungewohnten Raumdramatik zu gelangen. Somit wird die Architektur in der letzten Phase ihrer Existenz in ein sehr spezielles Verhältnis zur Skulptur gebracht − auch als eine Hommage an ihren Ursprungsgedanken. Skulpturale Eingriffe in die Architektur werden zum Teil der bildhauerischen Praxis und verweisen nicht nur auf den erweiterten Skulpturenbegriff, sondern eröffnen gleichzeitig die Chance, für den historischen Skulpturenbestand der Kunsthalle völlig andere Wahrnehmungsperspektiven zu finden.

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim

www.kunsthalle-mannheim.de

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